Bildung für alle- bei uns nicht?
Aus der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Artikel 26, 1+2): „Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich (...). Fach- und Berufsschulunterricht müssen allgemein verfügbar gemacht werden, und der Hochschulunterricht muß allen gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offenstehen.“.
Im bayerischen wie leider auch im gesamtdeutschen Bildungssystem schaut die Realität leider anders aus. Schon heute wird in der Schule stark selektiert, und das nicht nur nach Können bzw. Leistung, sondern nach sozialer Herkunft- stark, wenn auch nicht so deutlich sichtbar wie z.B. Noten. Studien belegen, dass die Chance, dass ein Kind besser verdienender Eltern einen höheren Bildungsabschluss erreicht zehnmal höher ist als bei einem Kind aus einer sozial schwachen Schicht. Grund dafür ist vor allem, dass der Schulbesuch mit erheblichen Kosten verbunden ist, bewusst wahrgenommenen und direkt von der Schule bzw. vom Staat auferlegten wie Kopiergeld oder Klassenfahrten aber auch eher unbewussten wie Nachhilfestunden und Fahrkarten. Diese Kosten für die als „kostenlos“ gepriesene Bildung ihrer Kinder können viele Eltern nur schwer bezahlen, und besonders wenn das Kind Nachhilfe benötig, wird dann „die Spreu vom Weizen“, oder wie im Fall des Schulsystems die Kinder in „ich hab reiche Eltern und kann mir gute Nachhilfe leisten“ und „ich leider nicht“ getrennt.
Durch die neuesten Sparideen der Regierung, Büchergeld und Studiengebühren, wird diese Kluft zwischen arm und reich noch mehr verschärft. Denn egal, wie viel erzählt wird über sozial verträgliche Gebühren, sei es für Bücher oder Studium: Sozial verträgliche Studiengebühren sind ein Widerspruch in sich. Auch das Büchergeld ist wohl ein erster Schritt zur Abschaffung der Lehrmittelfreiheit und damit ein krasser Einschnitt in die allgemein zugängliche Bildung. Die Menschen, die sich sowieso schon schwer tun, die mehr der minder „versteckten“ Kosten zu zahlen, werden es sich in Zukunft noch zweimal überlegen müssen.
Auch wird die Einführung der Studiengebühren nichts an der Situation an den Hochschulen verbessern. Es werden nur einfach die Gelder, die bisher von der Staatsregierung verwendet wurden, gekürzt und die damit entstehenden Haushaltslöcher an den Hochschulen mit Studiengebühren gestopft.
Die Fragen, die sich hierbei stellen, sind folgende: Wieso erhalten sozial schwache Familien nicht mehr Förderung, um ihren Kindern gute Bildung zu ermöglichen, die Politiker im Landtag aber immer mehr Geld? Wieso gibt die BRD- Regierung mit massiver Unterstützung durch die CSU Milliarden von Euro für ein Raketenabwehrsystem aus, das wir vermutlich nie benötigen werden und von dem sogar noch nicht sicher ist, ob es überhaupt funktioniert, während im Gegensatz dazu Studierende in vielen Bundesländern teilweise schon ab dem kommenden Semester Gebühren in Höhe von bis zu 500€ pro Semester zahlen müssen?
Die Landesschülervertretung fordert: Bildung muss ein absolut kostenloses Gut für alle Menschen werden, ohne dass irgendwem Nachteile durch fehlendes Finanzen oder seinen/ihren sozialen Status entstehen. Studiengebühren sind das falsche Mittel, um den Problemen an den Hochschulen beizukommen. Bildung muss endlich oberste Priorität bekommen, denn die SchülerInnen und Studierenden von heute sind die Denkenden und Arbeitenden von morgen!

